Heidrun Feistner: Panta rhei / Für Johann Wolfgang Goethe / Stein / Ausschnitt / 40 cm / 2021 / Foto Jean Molitor
Panta rhei / Für Johann Wolfgang Goethe / Stein / Ausschnitt / 40 cm / 2021 / Foto Jean Molitor

Heidrun Feistner

Skulptur und Literatur

Die blaue Brücke

Ausstellung in der Collegienstr. 10 in Lutherstadt Wittenberg

Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag

10:30 - 12:30 Uhr und 16:00 - 19:00 Uhr

 

Rainer Maria Rilke schrieb in seinem Buch über den Bildhauer Auguste Rodin von jener STILLE, die um große Dinge sei, ob diese nun groß seien oder klein.

Diese Dinge enthielten zugleich Bewegung und Gegenbewegung, sie ruhten in sich, sie schauten in sich – er sprach von einem Schauen, dem man nicht begegnen könne. Dann dieser eine Satz, wie geschrieben für mich: Seine Formen seien wie ein Anvertrautes durch seine Hände gegangen, rein und heil.

 

Ich machte meine erste Skulptur als ich 51 geworden war. Und vielleicht ist es ja so, dass ich die mir anvertrauten Formen nur rein und heil durch mein Leben tragen konnte, indem ich meine Kunst NICHT machte. Ich hätte sie verraten müssen in jenem Augenblick, in dem sie entstand,  entstehen wollte, 1976 oder 1977, ich war da gerade 17 geworden.  Zum anderen waren die mich umgebenden Prozesse und Ereignisse, ja auch meine Empfindungen zu schwierig, zu differenziert, wohl auch oft zu verzweifelt, um in genau jenen Formen ausgedrückt werden zu können, die meine werden wollten – ich brauchte für dieses schwierige Leben das Wort.

 

So sind die Formen mit mir durch die Worte gegangen, reiften, wurden zu stillen, von mir unbemerkten Gefährten. Die Skulpturen, die nun seit 2012 entstehen, sind unterdessen sichtbarer als das nur Geistige. Sie können anwesend sein, Zeugnis ablegen von ihren Begegnungen mit dem Leben, dem Denken, der Dichtung, der Kunst, von ihrer Begegnung mit mir. Und noch einmal Rilke: Alles ist austragen – und dann gebären. 

 

 

 

Heidrun Feistner: Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Rainer Maria Rilke / Stein / 27,5 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Rainer Maria Rilke / Stein / 27,5 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Rainer Maria Rilke / Stein / 27,5 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Rainer Maria Rilke / Stein / 27,5 cm / 2020 / Foto Jean Molitor

 

 

Du mußt nicht bangen, Gott. Sie sagen: mein

zu allen Dingen, die geduldig sind.

Sie sind wie Wind, der an die Zweige streift

und sagt: mein Baum.

 

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Heidrun Feistner: Vita nova mea / Stein / 30 cm / 2019 / Foto Jean Molitor
Vita nova mea / Die malenden Steine / Stein / 30 cm / 2019 / Foto Jean Molitor
Der Expressionist / Für Georg Heym / Engel der Geschichte / Stein / 2014 / Foto Jean Molitor
Der Expressionist / Für Georg Heym / Engel der Geschichte / Stein / 2014 / Foto Jean Molitor

Für Georg Heym und Ernst Balcke

An der Havel

 

Sie treten rückwärts aus geteilten Schatten

Schon geht das Abendlicht geradeaus

Durch Bucht und Bäume geistern die Fregatten

Die Angler töten nicht sie ruhen aus

 

Der Fluss sei blind doch die durch Helles dringen

Verspiegelt sind die Worte unter dem Eis

Schreie vergeblich wollten wir auch singen

Aus einem Rohr von dem noch eines weiß

 

Und Gegenfarben wie im Vers gefroren

Der bricht und taucht nach einem Blick zum Grund

Wer atmet dort mit anderer Arten Ohren

Vielleicht kennt Zärtlichkeit doch einen Mund

 

Die Plastikboote wippend an den Wegen

Wogegen Enten treiben in den nahen Hafen

Und Schafen gleich die Schwäne an den Stegen 

Und kleine Hügel drehen sich zum Schlafen

 

 

Heidrun Feistner 2011

Jean Molitor und Heidrun Feistner: A Splendour among shadows / für Percy Bysshe Shelley / 120x120 cm / Fotografik auf Aluminium nach der Skulptur
Jean Molitor und Heidrun Feistner: A Splendour among shadows / für Percy Bysshe Shelley / 120x120 cm / Fotografik auf Aluminium nach der Skulptur

(Aus:) Testament eines Frühlings an den Frühling gerichtet

 

 

Bürgerpark

Schatten, blasser noch als das Licht, das Kronen durchwandert, die unbewohnt sind und den Toten gehören, rührende Höflichkeiten von Baum zu Baum. In ihren Konventionen beharren Sie auf dem Grün. Die Hälfte der Stühle an Ketten, aber die vagen Räume verschließen sich schon.

An die uralte Unruh erinnert, die den Hiatus der Zeit übergeht, sehe ich meinen Herzschlag gelegt an die Biegung des Weins. Schöner Körper am Gaumen, wächst mir das flüchtige Gras. Unweit ein alter Mann. Seine Traurigkeit gleicht dem sich früher lösenden Schatten, meine der Sonne, welche noch sinkt. Im Zwiespalt des Raumes, den wir behaupten, verginge der Tag.

 

 

Am Sonntag hinaus

Wieder im Park, der sich füllt. An diesem ersten Sonntag im Frühling bewegen sich Gruppen mit der gebotenen Vorsicht der Sprache aneinander vorbei, ihre Geschwindigkeiten nähern sich sonderbar an, auch die der Einsamen, die Gemeinsamkeit suchen, Kinder stürzen noch aus dem Text, aus Büschen oder auch Bäumen, Variable der Zeit.

Prosa, die in der neuen Sonne sich formt, Entgegnungen findet, vergißt.

Das Gehen schreibt sich ihr ein: In die Erinnerung, gehen zu wollen, gegangen zu sein.

Ich war es schnell müde geworden, geschrieben zu werden, blieb stehen. Inmitten der Teller, Gläser. Fragen der Bälle, kleiner und größerer Vögel, diese fliegen mir zu.

Hälften der Worte. Begegnen wir ihnen, retten wir Käfer vor dem Ertrinken, andere vor ihrem Zorn.

Wort. Vor Sprache gestellt. Sie ginge hindurch als denke sie an ein spätes Gedicht.

 

Heidrun Feistner 2012

 

 

Heidrun Feistner: Zu zweit / Die malenden Steine / Stein / 28 cm / Foto HF
Zu zweit / Two by two / Die malenden Steine / Stein / 28 cm / 2019 / Foto HF
Heidrun Feistner: La doube / Stein / 23 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
La doube / Stein / 23 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Heidrun Feistner: Undine / Stein / 22 cm / 2021 / Foto Jean Molitor
Undine / Stein / 22 cm / 2021 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Marie, Fundstück vor Nidden / Für Max Pechstein / Stein / 34 cm / 2021 / Arbeitsfoto HF
Marie, Fundstück vor Nidden / Für Max Pechstein / Stein / 34 cm / 2021 / Arbeitsfoto HF
Heidrun Feistner: Blauer Schmetterling / Fotografik nach einem Aquarell von 1978
Heidrun Feistner: Blauer Schmetterling / Fotografik nach einem Aquarell von 1978

 

 

wie viele welten aus einer einzigen rippe geschlagen

immergleiche die gesten des schöpfers seiner lust

die grüne flamme des stolzes verbrennt selbst die asche der trauer

wie gewaltsam kann überlegenheit sein

 

was bleibt nach dem staunen das grab deiner formen

jede war einzigartig ein mann ein kind eine frau

sie wachsen nicht nach nicht wie jene Picasso

du wusstest das da war Braque

 

deine hände die klug sind falten papiere

sie suchen nach formen die uns gemeinsam gehören

wenn du sie anrührst

sind sie verbrannt

 

 

1996/2008

Müde / Tired / Für Gertrud Kolmar / Biografische Landschaften / Stein / 33 cm / 2021 / Foto Berndt Püschel
Müde / Tired / Für Gertrud Kolmar / Biografische Landschaften / Stein / 33 cm / 2021 / Foto Berndt Püschel

 

 Die Müde

 

Dies Müde, Flügellose ruht auf mir

So wie ein großes, sanftes, goldnes Tier.

 

Uns trägt was schwillt: ein Trank, der überlief.

Es blickt mich an. Sein Blick ist gut und tief.

 

Es lastet schwerer und mein Atem hebt

Es nicht mehr auf. Sein Drachenmantel webt

 

Ins Düster sich. Ein Zackenkrallen spinnt,

Drum schale Milch aus einem Mohnkopf rinnt.

 

Nun darf ich nur noch eigne Lider sehn,

Die blau und grüne Pfauenräder drehn.

 

Ich habe kein Gesicht mehr. Hauch wird Stein.

Bedächtig kehrt mein Schauen in mich ein.

 

Es steigt hinab, hinab, es fällt, wird dicht.

Der Schwarzschlund sackt es ein: es wehrt sich nicht.

 

Es sinkt geballt in tauben Mauernkern.

Es ist in sich. Nur seltsam klar und fern

 

Scheint auch dies Müde, Flügellose hier,

So wie ein kleines, silbern sanftes Tier.

 

Gertrud Kolmar

 

 

Heidrun Feistner: Müde / Für Gertrud Kolmar / Biografische Landschaften / Stein / 33 cm / 2021 / Foto Jean Molitor
Müde / Tired / Für Gertrud Kolmar / Biografische Landschaften / Stein / 33 cm / 2021 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner 1997
Heidrun Feistner 1997
Niemand singt / Nobody sings / Engel der Geschichte / Stein / 37 cm / 2019 / Foto Jens Schwarz
Niemand singt / Nobody sings / Engel der Geschichte / Stein / 37 cm / 2019 / Foto Jens Schwarz

Atelier und Werkstatt für Skulpturen

Heidrun Feistner: Atelier 2021 / Foto HF

 

Lutherstr. 32

06886 Lutherstadt Wittenberg

 

Besuche nach Vereinbarung unter 0177 3432606

- oder aber auch bei Gelegenheit...

Herzlich Willkommen!

 

Heidrun Feistner: Für Paul Celan / Engel der Geschichte / 36 cm / Stein / 2020 / Foto HF
Für Paul Celan / Engel der Geschichte / 34 cm / Stein / 2020 / Foto HF
Die gestundete Zeit / Für Ingeborg Bachmann / Stein / 50 cm / 2020 / Foto Berndt Püschel
Die gestundete Zeit / Für Ingeborg Bachmann / Stein / 50 cm / 2020 / Foto Berndt Püschel
Heidrun Feistner: Die blinde Katharina / Für Klaus Hoffmann / Stein / 28 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Die blinde Katharina / Für Klaus Hoffmann / Stein / 28 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky

Rückschau

Heidrun Feistner:
Im Stillen / Stein / 29 cm / 2020 / Foto Jean Molitor

Im Stillen

Ausstellung in der Stadtkirche St. Marien in Lutherstadt Wittenberg

28. November 2021 bis 24. April 2022

Altarbereich rechts / Foto HF
Altarbereich rechts / Foto HF
Heidrun Feistner: Das Menschkind / Stein / 50cm / 2022 / Foto HF
Das Menschenkind / Stein / 50cm / 2022 / Foto HF

Das Menschenkind / The human child / Stein / Länge ca. 50cm / 2022 / Foto HF

Heidrun Feistner: Panta rhei / Für Johann Wolfgang Goethe / Stein / Foto Jean Molitor
Panta rhei / Für Johann Wolfgang Goethe / Die malenden Steine / Stein / Foto Jean Molitor
Marie, Fundstück vor Nidden / Mary, find bevor Nidden / Für Max Pechstein / Die malenden Steine / Stein / 34 cm / 2021 / Foto Berndt Püschel
Marie, Fundstück vor Nidden / Mary, find bevor Nidden / Für Max Pechstein / Die malenden Steine / Stein / 34 cm / 2021 / Foto Berndt Püschel
Die gestundete Zeit / Für Ingeborg Bachmann / Stein / 50 cm / 2020 / Foto Jens Schwarz
Die gestundete Zeit / Für Ingeborg Bachmann / Stein / 50 cm / 2020 / Foto Jens Schwarz
Heidrun Feistner: Die Engel bedenken sich / Erster und zweiter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 46 und 43 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Die Engel bedenken sich / Erster und zweiter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 46 und 43 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Die Engel bedenken sich / Engel der Geschichte / Alabaster weiss und blau / 43 bis 46 cm / 2020 bis 2021 / Foto HF
Die Engel bedenken sich / Engel der Geschichte / Alabaster weiss und blau / 43 bis 46 cm / 2020 bis 2021 / Foto HF
Mansfelder Engel / Engel der Geschichte / Stein / 23,5 cm / Foto Berndt Püschel
Mansfelder Engel / Engel der Geschichte / Stein / 23,5 cm / Foto Berndt Püschel
Der Expressionist / Engel der Geschichte / Für Georg Heym / 34 cm / 2014 / Foto Berndt Püschel
Der Expressionist / Engel der Geschichte / Für Georg Heym / 34 cm / 2014 / Foto Berndt Püschel
Heidrun Feistner: Für Paul Celan / Engel der Geschichte / Stein / dahinter: Der Expressionist, für Georg Heym / Foto HF
Für Paul Celan / Engel der Geschichte / Stein / 34 cm / 2020 / Foto HF
Für Paul Celan / Engel der Geschichte / 34 cm / Stein / 2020 / Foto Jens Schwarz
Für Paul Celan / Engel der Geschichte / 34 cm / Stein / 2020 / Foto Jens Schwarz
Heidrun Feistner: Eisengel / Engel der Geschichte / Stein / 27,5 cm / 2019 / Foto HF
Eisengel / Ice-angel / Engel der Geschichte / Stein / 2019 / Foto HF
Heidrun Feistner: Belinde / Für Albert Ebert / Stein / 24 cm / Ansicht von hinten / Foto Olaf Mokansky
Belinde / Für Albert Ebert / Die malenden Steine / Stein / 24 cm / Ansicht von hinten / Foto Olaf Mokansky
Heidrun Feistner: Engel der Geschichte / Für Paul Klee / Bronzefassung / Exemplar 1/5 / 29 cm / 2019 / Foto HF
Engel der Geschichte / Für Paul Klee / Bronzefassung / Exemplar 1/5 / 29 cm / 2019 / Foto HF
Für Paul Klee / Engel der Geschichte / Stein / 29 cm / 2019 / Foto Berndt Püschel
Für Paul Klee / Engel der Geschichte / Stein / 29 cm / 2019 / Foto Berndt Püschel
Der Unbelehrbare und Für Paul Klee / Engel der Geschichte / Stein / 35,5 cm und 29 cm / 2019 / Foto Berndt Püschel
Der Unbelehrbare und Für Paul Klee / Engel der Geschichte / Stein / 35,5 cm und 29 cm / 2019 / Foto Berndt Püschel
Einer trage des anderen Last / Die malenden Steine / Stein / 36 cm / 2019 / Foto Jens Schwarz
Einer trage des anderen Last / Die malenden Steine / Stein / 36 cm / 2019 / Foto Jens Schwarz
Im Stillen / Alabaster / 37 cm / 2018 / Foto Berndt Püschel
Im Stillen / Alabaster / 37 cm / 2018 / Foto Berndt Püschel
Heidrun Feistner: Der große Gesang / El Canto general / Bronzen poliert / Exemplar 1/5 / 47 cm / Foto Jean Molitor
Der große Gesang / El Canto general / Bronzen poliert / Exemplar 1/5 / 47 cm / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Komm! Ins Offene / Engel der Geschichte / Für Friedrich Hölderlin / Stein / Foto Eva Rothkirch
Im Wind / Engel der Geschichte / Für Walter Benjamin / Bronze / 31,5 cm / 2016 / Foto Eva Rothkirch
Träumender Engel / Bronzefassung / Foto Jens Schwarz
Träumender Engel / Bronzefassung / Foto Jens Schwarz

Die Engel bedenken sich / Erster bis Dritter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster blau / 43 bis 47 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky

Ausstellung in der Cranach-Herberge in Lutherstadt Wittenberg

10. Juli bis 17. August 2021

Foto Jean Molitor
Foto Jean Molitor

Palazzo Albrizzi - Capello

Venedig

16. Oktober bis 29. November 2020

Future Landscape

BORDERS ART FAIR

In Zusammenarbeit mit Venice Events und ACIT Venice / Italienisch-Deutscher Kulturverband

Denkmal für ein Meer / Memorial to a sea / Stein / 29 cm / Foto HF
Denkmal für ein Meer / Memorial to a sea / Stein / 29 cm / Foto HF

Future Landscape

 

Die Natur holt sich den Menschen zurück. Im Bestreben, diesem „Sog“ zu entkommen, setzen einige auf die Technik als ungebrochenes Instrument jenes Fortschritts, der in der wachsenden Entfernung des Menschen von Natur vermessen wird. Andere nehmen den Weg der Umkehr zur Natur, deren Agens wir doch sind, suchen nach einem gemeinsamen Weg. 

Die Kunst vermag hier beispielhaft vorzugehen. Sie enthält die Möglichkeit der Vergeistigung des Anorganischen, der Materie, bewahrt einen Traum, den nur wir selber zu träumen vermögen: in uns träumt die Natur. Es ist der uralte Traum der Versöhnung mit ihr, die uns gewaltig, geschändet, ungezähmt gegenübersteht, mehr und mehr als Rächerin unseres eigenen Versagens vor ihr. Jener Traum wurde und wird in der Kunst gelebt als universelle Idee der Befreiung, wir nannten sie Utopie, jetzt beschreiben wir sie auf der Suche nach einem Begriff. Die Kunst, begreifen wir, kann gar nicht anders, als „utopisch“ zu sein. 

Atlantis erinnert das Untergangsszenario einer Hochkultur, gibt ihr meine Form. Wie sollte Zukunft ohne die Gegenwart der Katastrophe gedacht werden können. Diese Skulptur gehört zur Serie Engel der Geschichte, es ist eine meiner ersten Arbeiten. Wenn man sie dreht, erkennt man: sie zitiert Werke der Renaissance. Weiter sind hier Für Paul Klee, Für Friedrich Hölderlin  und Für Rainer Maria Rilke vertreten, die im letzten Jahr entstanden. Es sind dreidimensionale Zwiesprachen mit existenziellen philosophischen und literarischen Texten.

Meine Arbeiten wollen vielschichtig, mehrdeutig, wandelbar sein. Im Wechsel der Ansicht ändert sich häufig der Charakter, der Ausdruck eines Gesichts, viele Steine stecken in einem Stein. Häufig "schnitt" ich Sequenzen in die Steine hinein - hinein wie in einen Film. Was auch immer ich tat: Die Skulptur bleibt in sich geschlossen, bleibt homogen. 

El canto general formuliert den Gesang des Lebendigen, den Gesang des Lebens in organischen Formen, welche uralte Ambivalenzen der Zuneigung und der Abwehr zu transportieren vermögen. Im Denkmal für ein Meer und in den Dämmerungen, im Grunde sind beide Gedichte, wird Poesie als ein möglicher Ort des Verschmelzens von Natur, Geist, Seele erkannt. 

Der Leib des Menschen wird als Skulptur zur Landschaft, nicht nur zu ihrer Erweiterung, sie wird zur Neuschöpfung der Natur. Die Natur vollendet sich hier im Menschen, im Einklang mit ihm. Die malenden Steine (Hier dabei: Vita nova mea, Zu zweit) entstehen gemeinsam mit dem vorgefundenen Material – grundsätzlich ohne Vorzeichnung, ohne Entwurf, im freien Spiel eines gemeinsamen Eros. 

Sich durchlässig machen im Prozess des Formens, das immer auch ein Gebären ist. Es befreit die Form aus dem Stein, so arbeite ich, ich befreie so gern. Die Oiselettes gestalten ein Frauenbild: Il Bacio, ein Körpergesicht, nimmt den Geist in den Körper zurück, hebt historische Trennungen auf. Hier fehlt ja kein Kopf, der Körper ist nun seine Form. Das verrückte Grün lebt das freie, befreite Dasein in einer zum Ende der Serie geführten abstrakten Form.

 

Heidrun Feistner, Berlin 2020

 

 

 

Heidrun Feistner: Dämmerungen / Bronzefassung / Exemplar 2/3 / 36 cm / Foto Jean Molitor
Dämmerungen / Bronzefassung / Exemplar 2/3 / 36 cm / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Paul Klee / Bronzefassung Exemplar 1/5 / 29,5 cm / Foto Jean Molitor
Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Paul Klee / Bronzefassung Exemplar 1/5 / 29,5 cm / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Komm! Ins Offene / Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Friedrich Hölderlin / Stein / 37 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Komm! Ins Offene / Engel der Geschichte / Angel of history / dedicated to Friedrich Hölderlin / Stein / 37 cm / 2020 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Il Bacio / Der Kuss / 29 cm / Seitenansicht / Foto HF
Il Bacio / 29 cm / Seitenansicht / Foto HF
Heidrun Feistner: Il Bacio / Der Kuss / 29 cm / Seitenansicht / Foto HF
Il Bacio / 29 cm / Ansicht von vorn / Foto HF

Future Landscapes

 

Nature is reclaiming mankind. In the attempt to escape this "maelstrom", some are relying on technology as an unbroken instrument of progress that is measured by nature in the perception of humans. Others take the path to return to nature, but we are their agents, looking for a common path.

Art can be exemplary here. It has the possibility of spiritualizing the inorganic, the matter, of venturing into a dream that only we ourselves can dream: within us nature is dreaming.

It is the age-old dream of reconciliation with it, which is confronting us with tremendous, violated, untamed force, more and more as the avenger of our own failure facing it. That dream was and will be in art as a universal idea of liberation, we have called it utopia, now we are looking for a term. We understand that art cannot help but be “utopian”.

Atlantis commemorates the doom and gloom scenario of high culture, it is creating my shape. How should the future be conceived without the present of the catastrophe? This sculpture is part of the Angels of History series, it is one of my first works. If you turn it, you can see that it quotes several works from the Renaissance. Für Paul Klee, Für Friedrich Hölderlin, Für Rainer Maria Rilke, which were created last year, are also represented here. They are three-dimensional conversations with existential philosophical and literary texts.

My work wants to be multi-layered, ambiguous, alterable. A change of perspective often changes the character, the expression of a face, many stones are living in a single stone. I often "cut" sequences into the stones - like in a film. Whatever I did: the sculpture remains self-contained, remains homogeneous.

El canto general is expressing the song of the living, the song of life in organic forms, which are able to convey ancient ambivalences of affection and defense. In Memorial to a Sea and Dämmerungen, basically both poems, poetry is recognized as a possible place of the merging of nature, spirit, soul.

As a sculpture, the human body becomes a landscape, not just an extension, it becomes a new creation of nature. Nature is perfected here in man, in harmony with him. The painting stones (here: Vita nova mea, Für Friedrich Hölderlin, Two by two) are created together with found material - basically without a preliminary drawing, without a draft, in the free play of a collective eros.

Making yourself permeable in the process of sculpting, which is always also a form of giving birth. It is freeing the shape from the stone, that's how I work, I love to set free. The Oiselettes create an image of women: Il Bacio, a body face, takes the spirit back into the body, eliminating historical divisions. No head is missing here, the body is now its form. The crazy green is living the free, liberated existence in an abstract form leading to the end of the series.

 

Heidrun Feistner, Berlin 2020

 

 

Heidrun Feistner: Atlantis / Engel der Geschichte / Angel of history / Bronzefassung / Exemplar 10/15 / Foto Jean Molitor
Atlantis / Engel der Geschichte / Angel of history / Bronzefassung / Exemplar 10/15 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Das verrückte Grün und Kleines verrücktes Grün / The crazy green and Little crazy green / Oiselettes / Stein / 27,5 und 23 cm / Foto Jean Molitor
Das verrückte Grün und Kleines verrücktes Grün / The crazy green and Little crazy green / Oiselettes / Stein / 27,5 und 23 cm / Foto Jean Molitor
Venedig Oktober 2020 / Foto HF
Venedig Oktober 2020 / Foto HF

wie sind die worte müde

heidrun feistner

Ausstellung in der Kirche Zum Vaterhaus in Berlin

Heidrun Feistner: Wie sind die Worte müde, Faltblatt zur Ausstellung
Heidrun Feistner: Wie sind die Worte müde, Faltblatt zur Ausstellung
Heidrun Feistner: Niemand singt / Engel der Geschichte / Stein / 37 cm / 2019 / Foto HF
Niemand singt / Engel der Geschichte / Stein / 37 cm / 2019 / Foto HF
Heidrun Feistner: Traumbaum und Mansfelder Engel / Stein / 24 und 23,5 cm / Foto HF
Traumbaum und Mansfelder Engel / Stein / 24 und 23,5 cm / Foto HF
Heidrun Feistner: Der Vogel Frühling / Für Uwe Greßmann / Die malenden Steine / Stein / 23,5 cm / 2019 / Foto HF
Der Vogel Frühling / Für Uwe Greßmann / Die malenden Steine / Stein / 23,5 cm / 2019 / Foto HF

Für Paul Klee / Engel der Geschichte / Stein / 29 cm / 2019 / Foto HF


Heidrun Feistner: Denkmal für ein Meer / Bronzefassung / Foto HF
Denkmal für ein Meer / Gegenüber dem Stein veränderte Bronzefassung / 29 cm / 2016 / Foto HF

Atlantis

Neugestaltung der Ausstellung zum Januar 2019

Heidrun Feistner: Atlantis / Engel der Geschichte / Stein / 2013 und 2014 / Foto Christine Kösser

Heidrun Feistner: Erinnerung an Ägypten / Bronzefassung / Exemplar 1/5 / 29 cm / 2017 / Foto Jean Molitor
Erinnerung an Ägypten / Bronzefassung / Exemplar 1/5 / 29 cm / 2017 / Foto Jean Molitor
Heidrun Feistner: Bonjour Monsieur M. / Alabastergruppe / Foto Anna Laura Feistner
Bonjour Monsieur M. / Alabaster / 2014 / Foto Anna Laura Feistner
Heidrun Feistner: Die Überraschte / Bronzefassung / Foto Jean Molitor
Die Überraschte / Bronzefassung, 35 cm / 2017 / Foto Jean Molitor

Es gibt eine Weltkarte von Atlantis, sie reicht von Spitzbergen im Norden bis in den Süden Afrikas, von Aztlán im Westen bis hinüber nach Indonesien zum Sunda-Land.

Platon zeichnete den Zeitgenossen das Szenario des Untergangs einer frühen und dekadenten Hochkultur als Bild eines drohenden Strafgerichts. Diese Kunde würde fortan das Erinnern an die Möglichkeit einer anderen als der vorgefundenen Welt wie einen Homunculus umschließen. Utopie, so eingebettet, als ein schon immer gescheiterter Gegenentwurf, sagen die Künstler, würde formuliert werden können. In einer zunehmend als eindimensional empfundenen Welt möchten sie Arbeiten schaffen, die Räume zu öffnen und zu bevölkern vermögen.

Der Dachverband der Deutschen Immobilienverwalter eröffnete seine Geschäftsstelle am Leipziger Platz im April 2016 mit einer Vernissage. Sie können die Ausstellung "Atlantis" nach vorheriger Anmeldung  von Montag bis Freitag zwischen 10.00 bis 16.00 Uhr besuchen. Sollten Sie Interesse an einer Führung haben - ich begleite Sie gern.

Die Büroetage befindet sich über dem Deutschen Spionagemuseum, im 2. OG des Gebäudes - direkt am U-Bahnhof Potsdamer Platz.

 

Eine ausführliche Dokumentation der vorangegangenen Ausstellung finden Sie hier.

Parallel zu der Ausstellung "Atlantis" im Zentrum Berlins gab es die als Gegen-Ausstellung konzipierte Ausstellung "Engel der Geschichte / Vita umbrae" am Rande der Stadt in der Galerie der Gießerei Flierl in Berlin-Weißensee. Im Anschluss wurden diese beiden Ereignisse am Leipziger Platz zusammengeführt. Eine Dokumentation dieser zweiten Ausstellung finden Sie hier.


Discovery Art Fair Frankfurt/ Main

1. bis 3. November 2019

ART SALZBURG CONTEMPORARY & ANTIQUES INTERNATIONAL 27. BIS 29. SEPTEMBER 2019

2x2 Madrid Berlin

Madrid / Galeria juca claret

März 2019

Heidrun Feistner: Kleines verrücktes Grün / 3D-Druck, handkoloriert / Foto HF
Kleines verrücktes Grün / 3D-Druck, handkoloriert / Unikat / Vergrößerung des Originals aus Stein als Vorlage für die Bronzefassung / 2017

gera

Heidrun Feistner: Das Nicken des ART DECO / Stein / Foto HF
Das Nicken des ART DECO / Stein/ 2014 / Leihgabe aus Privatbesitz / Foto HF

Nachfolger des Bauhauses - Zwei Künstlergenerationen in der DDR

17.08.2018 bis 15.02.2019

Ausstellung im Henry van de Velde - Museum Haus Schulenburg Gera

 

2x2 Madrid Berlin

Madrid / eka&moor art Gallery

Oktober 2018

Heidrun Feistner: Ausstellung in der Galerie Eka& Moor

Mai bis Juni 2018 berlin-friedenau

Heidrun Feistner: Das Mondgestein / Alabaster / Ausstellung in Die kleine Galerie / Foto HF
Das Mondgestein / Alabaster / 30 cm / 2017 / Foto HF
Heidrun Feistner: Belles de jour - 8 / Alabaster / Foto HF
Belles de jour - 8 / Alabaster / 2018 / 45 cm / Foto HF

Eine ausführlichere Dokumentation dieser Ausstellung finden Sie hier...

Mai bis Dezember 2018 Berlin unter den linden

Katrin Budde, MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, hielt die Eröffnungsrede.

Heidrun Feistner: Kleines Grabmal für einen unbekannten Gesang / Stein / 10 cm / 2014 / Foto HF
Kleines Grabmal für einen unbekannten Gesang / Stein / 10 cm / 2014 / Foto HF

Canto General, der große Gesang, das ist für mich ein Gesang des Lebens, ein Gesang für das Leben. Pablo Neruda schrieb diese Verse für die Befreiung der lateinamerikanischen Völker, sie erschienen 1950 im mexikanischen Exil. Dieses Buch faszinierte mich durch seine unbändige poetische Kraft.

  

Dieser „Allgemeine Gesang“ ist ein Gesang der Schöpfung selbst. Er gilt der Entwicklung des Lebens vom Anorganischen über das Organische bis hin zum Geistigen. Für einen Menschen, der mit Steinen arbeitet, der an diese Steine rühren, diese Steine „erwecken“ möchte zum Lebendigen hin, muss diese Genese bedeutungsvoll sein – sie kennt keinen Gegensatz zwischen Körper und Geist, Goethe hätte hier aufgemerkt.

 

Zur Vernissage werden zwei Bronzen mit dem Titel „Der große Gesang“ gezeigt, ich entwarf sie ursprünglich als Stein. Ihr Gold erinnert an Mexico, an Magie, es ist poetische Metapher auch für das Feuer, das sie formte. Diese Form, zugleich Flosse und Flügel, vielleicht auch Pflanze, gehört dem Organischen an, besingt Wasser, Lüfte und Erde. Letztlich aber erinnern diese Flossen/Flügel auch an einen Engel der Verkündigung,  an einen Engel  vor einem Kreuz, in den Boden gerammt. Es sind ambivalente Formen der Zuwendung und der Abwehr, die Sie in meinen Arbeiten häufig antreffen werden. Sie transportieren Bilder, die sich uns eingeprägt haben.

 

Heidrun Feistner: Das verrückte Grün - Im Hintergrund: Kleines verrücktes Grün / Stein
Das verrückte Grün - Im Hintergrund: Kleines verrücktes Grün / Stein / 2014 und 2015 / HF
Heidrun Feistner: Ich hör auf die Zeichen / Ich seh auf die Zeichen, die zuzeiten geschehn / Alabaster / 42,5 und 41,5 cm / 2018 / Foto Jean Molitor
Ich hör auf die Zeichen / Ich seh auf die Zeichen, die zuzeiten geschehn / Alabaster / 42,5 und 41,5 cm / 2018 / Foto Jean Molitor

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Bronzen

Heidrun Feistner: Dämmerungen / Bronze poliert / Exemplar 2/3 /  35 cm  / Foto HF
Dämmerungen / Bronze poliert / Exemplar 2/3 / 35 cm / 2016 / Foto HF / vorn: Der Morgen
Heidrun Feistner: Dämmerungen / Bronze poliert / Exemplar 2/3 /  35 cm  / Foto HF
Dämmerungen / Bronze poliert / Exemplar 2/3 / 35 cm / 2016 / Foto HF / hinten: Der Abend

Arbeiten aus alabaster

Heidrun Feistner: Von links: Bonjour, Die Schnepfen - Im Hintergrund: Belles de jour - 3 und 4 / Alabaster / Foto Jean Molitor
Von links: Bonjour, Die Schnepfen - Im Hintergrund: Belles de jour - 3 und 4 / Alabaster / 2017 / Foto Jean Molitor
Die Engel bedenken sich / Erster bis Dritter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster blau / 43 bis 47 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Die Engel bedenken sich / Erster bis Dritter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster blau / 43 bis 47 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Heidrun Feistner: Die Engel bedenken sich / Vierter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 43 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Die Engel bedenken sich / Vierter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 43 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Die Engel bedenken sich / Dritter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 42,5 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky
Die Engel bedenken sich / Dritter Engel / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 42,5 cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky

Der kleine Aber / Engel der Geschichte / Alabaster weiß / 22cm / 2021 / Foto Olaf Mokansky

Einige weitere Arbeiten aus Alabaster finden Sie hier.

Lektüre

In den Mitteilungen aus den Staatsbibliotheken Berlin und München erschien "Nachdenken über Aristide Maillol" - Bibliotheksmagazin 2/17, S. 45-49

 


Henry van de Velde-Museum

Haus Schulenburg Gera

Str. des Friedens 120

07548 Gera

Telefon (0365) 826410

www.haus-schulenburg-gera.de

 

 

Kunstgießerei Altglienicke UG

- ehemals Kunstgießerei Flierl

Wegedornstr. 46

12524 Berlin

Telefon (030) 4455181

kunstgiesserei-altglienicke.de

 

Heidrun Feistner

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